Kleintettauer Geschichte von 1945 bis heute

Aus dem Zweiten Weltkrieg kamen viele der Kleintettauer Glasmacher nicht zurück. Statt dessen musste die Gemeinde 135 Heimatvertriebene und Flüchtlinge aufnehmen.

Die Grenzziehung nach dem Weltkrieg schnitt die Kleintettauer Industrie von einem großen Teil ihres Absatzgebietes ab. Außerdem wurde der Transport der Rohstoffe und Fertigwaren durch die Stilllegung der Eisenbahnlinie Pressig - Tettau erheblich erschwert und auch viele Facharbeitskräfte aus Thüringen mussten ersetzt werden, da diese die Grenze nicht mehr passieren durften. Dennoch stieg die Einwohnerzahl Kleintettaus von 1919 bis 1960 von 476 auf 830 an.

Das "Deutsche Wirtschaftswunder" ergriff ab Ende der 1940er auch die Kleintettauer Glashütten und steigerte die wirtschaftliche und finanzielle Sicherheit der Bürger und der Gemeinde erheblich. Heinz-Glas konnte sich deshalb als erste der Glashütten ein zweites Standbein schaffen. Ein Zweigwerk in Schleiden in der Eifel, jenseits des Rheins, wurde errichtet.

1951 wurde die evangelisch-lutherische Auferstehungskirche eingeweiht und gleichzeitig ein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege vor der Kirche feierlich enthüllt. Während der 50er Jahre wurde die Wohnkapazität in der Siedlung stark gesteigert.

Im Jahr 1955 begann die Firma Carl August Heinz als erste Glashütte in Deutschland mit der Produktion von Kunststoff-Flaschen. Dadurch wurden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und gesichert.

Kleintettau und die beiden Glashütten können 1961 ihr 300-jähriges Bestehen feiern. Nach langem und schweren Kampf um die Existenz ist die Hoffnung auf bessere Zeiten beim Jubiläum stark. Die beiden Glashütten hatten sich sehr gut entwickelt und bieten auch vielen Menschen aus den umliegenden Gemeinden einen sicheren Arbeitsplatz.

1964 wurde die Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik mit doppeltem Stacheldraht und Minenfeldern befestigt. Die Grenze lief bis 1976 direkt durch den Ort, da drei Häuser Kleintettaus (Klein-Lichtenhain) auf thüringischem Gebiet lagen. Die Bewohner dieser Häuser wurden vertrieben und schließlich riss auch der letzte Kontakt zu Bekannten und Verwandten in Thüringen ab.

Die in der Glasveredelung tätige Firma Röser mit rund 40 Beschäftigten zog zu dieser Zeit von Tettau nach Kleintettau um und errichtete in unmittelbarer Nähe zur Firma Heinz ein neues Fabrikgebäude. Auch die Firma Hammerschmidt nahm die Kunststoffproduktion auf.

1973 wurde Kleintettau an die Fernwasserversorgung aus der Ködeltalsperre angeschlossen und von der alten Eigenwasserversorgung abgetrennt. Zu dieser Zeit war Kleintettau die steuerstärkste Gemeinde im Landkreis Kronach mit einem durchschnittlichen Pro Kopf Einkommen von 600 DM.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde die von jeher selbständige und wohl situierte Gemeinde Kleintettau in die ungeliebte Großgemeinde Markt Tettau eingegliedert.

1979 wurde Kleintettau an die Erdgasversorgung durch die Fränkische Gaslieferungsgesellschaft angeschlossen. Im gleichen Jahr entstand "Kleintettauer Seenplatte" im Tal unterhalb des Ortes.

Die ersten sieben schottischen Hochlandrinder trafen am 18. Juni 1980 in Kleintettau ein und sorgten von nun an für die Pflege der landwirtschaftlichen Flächen rund um den Ort. Der letzte Landwirt hatte zwei Jahre zuvor aufgegeben. Mit diesem Schritt zählten die Kleintettauer Hochlandrinderzüchter zu den Pionieren auf dem Kontinent und in der naturnahen Landschaftspflege, da es sich um die erste Herde dieser Rasse in Bayern und erst um die dritte in Deutschland handelte.

Im gleichen Jahr wurde das neue Sportgelände des ASV Kleintettau fertig gestellt und eingeweiht.

1982 wurde mit 10.000 Besuchern die Schottische Woche gefeiert, das bis dahin größte Volksfest im Markt Tettau. 1984 besuchte Bundespräsident Carl Carstens mit seiner Frau Veronika Kleintettau.

Das scheinbar Unmögliche wurde 1989 Wirklichkeit als die innerdeutsche Grenze endlich weg fiel und die Kleintettauer nicht mehr von drei Seiten von Stacheldraht eingeschlossen waren. Alte Freundschaften wurden wiederbelebt und man lag endlich wieder im Herzen Deutschlands, dem angestammten Platz.

Nach der Wende wurden sehr schnell die Beziehungen in die thüringischen Nachbargebiete wieder verstärkt. Unter anderem übernahm die Firma Heinz im 10km entfernt gelegenen Piesau aus ehemaligem DDR-Besitz eine Glashütte, deren Gründer im Jahr 1622 auch ein direkter Vorfahre des heutigen Firmeninhabers der Heinz-Gruppe war.

In Piesau und in anderen thüringischen Betriebsstätten der Unternehmen aus Kleintettau arbeiten inzwischen über 500 Mitarbeiter, unter anderem in Neuhaus am Rennweg bei der 2007 von Kleintettau dorthin verlegten Kunststoffsparte von Heinz. Auch in Kleintettau bilden Arbeitskräfte aus Thüringen seit der Wende eine wichtige Stütze.

In Kleintettau gibt es weiterhin wesentlich mehr Arbeitsplätze als Einwohner, eine erstaunliche Tatsache und eine Stärke für die gesamte Region.